Heimat- und Geschichtsverein

Berga/Elster

Neue Nutzung für Textilfabrik gesucht

von Tobias Schubert

Die ehemalige Textilfabrik Ernst Engländer AG in der Elsterstadt Berga prägt seit Jahrzehnten das Stadtbild. Viele Hundert Menschen waren hier beschäftigt, auch als die Hallen mit ihren charakteristischen Sheddächern und die umliegenden Gebäude schließlich vom volkseigenen Betrieb (VEB) Greika betrieben wurden. Mit deren Ende standen die Gebäude leer und verfielen, bis sie 2011 zwangsversteigert wurden. Gekauft wurde sie von Alexander Rathgeber, der sich seitdem für den Erhalt und die Nachnutzung der historischen Anlagen einsetzt.denkmal
Auf diesem Weg will man nun mit einem ungewöhnlichen Schritt weitergehen, mit der Messeakademie 2018, einem von der Leipziger Messe organisierten, studentischen Wettbewerb innerhalb der Denkmalpflege, wie Ina Malgut erklärte, die den Wettstreit organisiert. Drei Objekte standen beim diesjährigen Wettbewerb, der bereits der zehnte ist, für die angehenden Architeken oder Studenten des Bauingenieurwesens zur Auswahl: die Deutschordenskommende in Bergen (Sachsen-Anhalt), der Clara-Zetkin-Platz in Wurzen (Sachsen) und eben die ehemalige Seidenweberei in Berga. Letztere war es auch, die nun bei einer Exkursion das größte Interesse hervorrief. 106 Studenten von Universitäten aus ganz Deutschland kamen in die Elsterstadt, um jeden Winkel der Objekte zu erkunden, zu fotografieren und zu vermessen.
Entstehen sollen aus diesen Daten und den Eindrücken der Exkursion Konzepte, die eine weitere Nutzung der Denkmäler und ihren Erhalt in der Zukunft ermöglichen. Im Fall von Berga hofft man laut des Exposés bei der potentiellen Realisierung des Entwurfs auf einen Impuls für die Region, der den Standort stärken und eventuell auch in ein touristisches Konzept einbinden soll.
Wobei die Studenten bei ihren Nutzungsvorschlägen und ihren Umbauentwürfen völlig frei sind, wie Heribert Sutter vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Thüringen betont. Zwar sind im Exposé einige Vorstellungen als Beispiele aufgeführt - Platz für themenbezogene Dauerausstellungen, Hostel, Kulturraum beispielsweise mit einer Kleinkunstbühne, gastronomische Einrichtung oder gewerbliche Nutzung - doch das seien wirklich nur Vorschläge, um den Denkprozeß anzustoßen. Möglich sei auch eine völlig andere Nutzung, solange sie plausibel erklärt und im Entwurf umgesetzt würde. Auch bauliche Ergänzungen seien möglich, wobei eine der Vorgaben ist, daß so viel wie möglich von der überlieferten, historischen Substanz erhalten bleiben soll. Ein besonderer Wert wird innerhalb der Regularien auch auf die barrierefreie Erschließung des Objekts gelegt. Daneben jedoch stünden den Studenten alle Wege offen. "Sie haben alle planerische Freiheiten", erklärte Sutter den Anwesenden. Man hoffe, daß sie "kreativ mit der Aufgabenstellung umgehen", meinte er.
Auf Berga als Exkursionsort war Sabine Guzowski, ebenfalls vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Thüringen, gekommen. Sie hatte Sutter, der in der Jury der Messeakademie sitzt, das alte Fabrikgelände als möglichen Exkursionsort vorgeschlagen.
Nach dem Besuch der Studenten heißt es nun abwarten. Bis zum 10. September in diesem Jahr sollen ihre Entwürfe eingereicht werden. Am 9. Oktober will die Jury tagen und in den 14 Tagen danach den Teilnehmern die Ergebnisse verkünden. Am 9. November sollen die besten drei Entwürfe im Rahmen des Fachkolloquiums auf der Messe "Denkmal 2018" (8. bis 10. November in Leipzig) bekanntgegeben werden.

Mehr Informationen: www.denkmal-leipzig.de/messeakademie

(Ungekürzt aus OTZ Ausgabe Greiz vom 21.4.2018, Seite 21)